30.04.2020
Neue Perspektiven dank Hochstativ
In der Architekturfotografie steht man gelegentlich vor dem Problem, dass alle möglichen Kamerastandpunkte für ein geplantes Bild zu niedrig sind. Oft sind es nur wenige Meter Höhe, die einem für die perfekte Sicht auf eine Fassade, Gebäude oder Platz fehlen.
Die naheliegendste Lösung für dieses Problem scheint auf den ersten Blick eine Drohne zu sein. Jedoch hat diese Lösung auf den zweiten Blick mehrere Nachteile. Man darf mit Drohnen im innerstädtischen Bereich nur sehr eingeschränkt fliegen, aber gerade hier ist der Arbeitsbereich des Architekturfotografen. Hinzu kommt, dass die Qualität einer Drohnenkamera der einer konventionellen Kamera weit unterlegen ist. Eines der wichtigsten Gegenargumente ist jedoch die fehlende Möglichkeit für Langzeitbelichtungen.
Oft entstehen die stimmungsvollsten Bilder in der blauen Stunde. Hier sind mehrere Sekunden, manchmal sogar minutenlange Belichtungszeiten erforderlich. Hier hat eine Drohne keine Chance auf ein scharfes Bild, denn sie müsste hierfür mehr als 30 Sekunden millimetergenau auf der selben Position verharren können.
Ein Hochstativ erschien mir für meine Bedürfnisse ein interessanterer Lösungsansatz zu sein. Solch ein Hochstativ besteht im Wesentlichen aus einem langen Teleskopmast, der an einem Dreibeinstativ fixiert wird. An der Spitze des Mastes wird die Kamera wie auf einem normalen Stativ montiert. Jetzt wird der Teleskopmast ausgefahren und die Kamera kann so auf eine Höhe von bis zu 10m gebracht werden. Kontrolliert und ausgelöst wird die Kamera dann per Funk über ein Smartphone oder Tablet.

Nachteil dieser Lösung ist jedoch das hohe Gewicht von ca. 25kg und das unhandliche Packmaß von Stativ und Mast. Es ist also kein Ausrüstungsgegenstand, den man immer dabei haben kann. Vielmehr ist ein Hochstativ für geplante Aufnahmen gedacht, was aber in der Architekturfotografie sowieso fast immer der Fall ist. Um den fußläufigen Transport über größere Distanzen angenehmer zu gestalten, habe ich einen Golf-Caddy etwas modifiziert. Das funktioniert erstaunlich gut und man kann damit mühelos quer durch die Stadt laufen, von den fragenden Blicken der Passanten mal abgesehen…:-)
Es gibt europaweit nur wenige Hersteller für solche Systeme. In den Niederlanden wurde ich bei einem kleinen Unternehmen fündig, welches ein Hochstativ genau nach meinen Vorstellungen produzierte.

Die Porta Nigra in Trier samt Vorplatz aus 10m Höhe...
Ich habe das Hochstativ nun seit Ende Dezember 2019 im Einsatz und muss sagen, es hat meine Art zu arbeiten sehr bereichert! Es ermöglicht Aufnahmen, die vorher undenkbar waren. Ohne Frage ist die Arbeit mit diesem „Ungetüm“ anstrengender und aufwendiger als mit einem normalen Stativ, doch das Ergebnis ist jede Anstrengung wert!